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Wer war eigentlich Josef

Fast so genial wie Andy Warhol - ein Mann, der seine früh einsetzenden künstlerischen Visionen stets geerdet, realitätsnah und unter Einbeziehung von Mensch und Natur umsetzte. Sein Leben war ein ständiges Auf und Ab, ein Wechselspiel von Depression und Inspiration. Der schmale Grad zwischen Humor und Melancholie zeichnete sich stets in seinen Augen ab. Die Rede ist von Joseph Beuys, dem selbsternannten Schamanen und Künstlerpriester, der die Höhepunkte seines Schaffens zwischen 1960 und 1985 verzeichnete. Tausende Begeisterte und Anhänger zelebrierten seine künstlerischen und politischen Triumphe und im Mittelpunkt der fiebernden Menge war er präsent und nahbar. 

 

Joseph Beuys wurde im Mai 1921 in der niederrheinischen Provinz Kleve in bürgerliche, seinerzeit mittelständische Verhältnisse hineingeboren. Sein Vater war Kaufmann für Futtermittel. Beuys genoß eine strenge Erziehung in der katholischen Familie, deren Folgen sich später in einem ausgeprägten freiheitlichen Denken, revolutionären Visionen und Eigensinn offenbaren. Beuys besucht die Schule in Kleve und obwohl er anfangs kein guter Schüler ist, besucht er später das Gymnasium. Er ist schon in sehr jungen Jahren umtriebig und entwickelt frühzeitig eine enorme Naturverbundenheit, aus der er zeitlebens Inspiration schöpft un die ihn zum Phantasieren verleitet. Jupp, wie er liebevoll von Verwandten und Freunden genannt wurde, richtet sich als kleiner Junge eine botanische Sammlung und ein Laboratorium im Elternhaus ein und später sein eigenes kleines Museum mit Fröschen, Mäusen und Schmetterlingen. Tiere haben für ihn eine Seele und diese Seele wird er in die künstlerische Kommunikation einbeziehen. Aus Trotz und Rebellion ist er einmal von zu Hause weggelaufen, um sich einem Wanderzirkus anzuschließen. Nachdem Beuys 1940 sein Abitur absolvierte, kam er umgehend zur Wehrmacht. Er war 1940 im Krieg in Posen in einer Luftnachrichtentruppe und wurde zum Funker auf einer Stuka ausgebildet. In dieser Zeit machte er Bekanntschaft mit Heinz Sielmann, dem berühmten Tierfotografen, der später zu einem bekennenden Bewunderer von Beuys wurde. Im Frühjahr 1947 begann er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er studierte zunächst Bildhauerei und plastische Gestaltung unter Anleitung von Ewald Mataré, seinem Mentor, an dessen Aufträgen er in den nächsten Jahren mitarbeitete. Das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer war von gegenseitiger Wertschätzung geprägt, die laut Zeitzeugenbericht sogar in Liebe mündete. Doch die unabdingbare Tatsache der Weiterentwicklung des jungen Künstlers Beuys und die Festgefahrenheit Mataré´s führten beidseitig zu schweren persönlichen Enttäuschungen. Während des Studiums konnte sich Beuys kaum über Wasser halten, obwohl er an Mataré´s Aufträgen mitarbeitet und das Südportal des Kölner Doms ausgestaltet. Mitte der 50er Jahre ist seine finanzielle Lage noch katastrophal, trotz erster Ausstellungen. Als sich schließlich seine Verlobte von ihm trennt, stürzt er in tiefe Depressionen, die ihn zurück ins Klever Land treiben. Nach einer aufkommenden Welle der Inspiration und Rückkehr ins Leben, lernt Beuys 1957 seine Frau Eva kennen. Als sein künstlerischer Ruhm einsetzt, ist er fast Mitte vierzig. Auf dem "Festival der Neuen Kunst" in Aachen, kommt es im Juli 1964 zu einem der prominentesten Zwischenfälle: Ein Student greift Beuys körperlich an und verpasst ihm eine blutige Nase. Beuys, der mittlerweile Professor ist, läuft daraufhin intuitiv zu seinem Requisitentisch und schnappt sich ein Kruzifix, das er demonstrativ hochhält und sich in diesem Moment durch die Geste der Vergebung als Heiligenfigur inszeniert. Zeitgleich wirft er Schokoladentäfelchen als milde Gabe in die aufgebrachte Menge. Im November 1965 erfolgt dann die Einladung zur ersten komerziell öffentlichen Ausstellung in einer kleinen Galerie in der Düsseldorfer Altstadt: "Wie man einem Hasen die Ausstellung erklärt."

Beuys Naturverbundenheit in Verbindung mit Schamanismus und dem Erkennen des Ganzheitlichen hinter einzelnen Fragmenten spiegelt eine gewisse Demut und Besonnenheit in seinen Werken wider. Mit den Materialien Fett und Filz gab er seinen Werken die Bedeutung von Chaos, Kontinuität und Formbarkeit. Beuys starb im Januar 1986 in Düsseldorf. Sein Sohn führte Beuys´ Vision auf der Documenta 1987 fort.

 

http://www.kunstdatenbank.de/beuys_joseph.htm

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